Wodka ,Please zu Besuch in Warschaus Wodkamuseum

Wodka ,Please besichtigte das vor Kurzem eröffnete Museum des Polnischen Wodkas (Polish Vodka Museum | Muzeum Polskiej Wódki) in Warschau.
Das Wodkamuseum wurde in den Medien ziemlich hoch gehandelt in den letzten Wochen.
Das liegt mitunter daran, dass es sich ausschließlich der Thematik Wodka widmet – und das mit einem gewissen und zweifelsohne berechtigten Stolz.

Das gab Wodka ,Please den Anlass, nach Warschau zu fahren und sich das Museum mal genau anzusehen. Leider hinterließ die Visite einen leicht bitteren Nachgeschmack – und das lag nicht am Wodka.


 

Wodkamuseum in hi(ck)storischer Location

Schon mal vorweg, die Location überzeugt. Die Räumlichkeiten sind in einer alten Wodkafabrik lokalisiert, der Warschauer Wodkabrennerei „Koneser“. Die Fabrik wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert im neogotischen Stil mit roten Backsteinziegeln erbaut und befindet sich heute im Warschauer Trendstadtteil Praga auf der rechten Seite der Weichsel.

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Das Koneser Gelände

Ihre Hochzeit erlebt die Fabrik in den Zwischenkriegsjahren, als 400 Mitarbeiter täglich bis zum einer Viertel Million Wodkaflaschen pro Tag herstellten. Koneser brachte damals Marken wie #Siwucha, #Wyborowa, #Luksusowa sowie #Żubrówka auf den Markt.
Auf dem sich über 50.000 m² erstreckenden Gelände wird seit 2007 kein Wodka mehr produziert. Mittlerweile befinden sich in dem Komplex Büros, Firmen, Wohnungen sowie natürlich das neu entstandene Wodkamuseum.

Polnischer Wodka – was bedeutet das heute?

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Der Rohstoff, aus dem Wodka ist

Der erste Meilenstein der Museumstour beantwortet eine der drängendsten Fragen überhaupt: was eigentlich ist polnischer Wodka? Die EU-anerkannte Definition besagt, polnisch ist jeder Wodka, der aus polnischen Rohstoffen in Polen hergestellt wurde.

Egal ist zunächst mal (auch wenn das natürlich überhaupt nicht egal ist), aus welchen Basisstoffen er gewonnen wurde, also ob aus Weizen, Kartoffeln oder Trauben (ja, das gibt es auch, #Lubelska). Egal ist auch, ob der Wodka heute noch in polnischer Hand ist oder vielmehr einem internationalen Konzern gehört (wie – leider – die meisten polnischen Wodkamarken mittlerweile).
Das wissen oftmals selbst viele Polen nicht, die spontan antworten, #Belvedere sei kein polnischer Wodka. Ist er aber und deswegen ist er auch so gut.

Über Geschmack lässt sich streiten

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Roggen mahlen

Geschmack ist sowieso alles bei Wodka. Wer beim Besuch des Wodkamuseums immer noch glaubt, ein Wodka schmecke wie der andere, wird endlich eines Besseren belehrt. Die Art der Rohstoffe, ihr Anbauort, der unter Kennern verbreitete Begriff des Terroirs, und ihre Qualität sind absolut entscheidend für den Geschmack von Wodka.
Beim Herstellungsprozess entstehen bis zu 200 verschiedene chemische Verbindungen, die alle Einfluss auf das individuelle, geschmackliche und geruchliche Profil des Wodkas haben. Sie zu extrahieren, zu verstärken oder zu entfernen, ist die hohe Kunst der Wodkabrennerei.
Apropos Basisstoffe, polnischer Wodka wird in der Regel aus drei Rohstoffen gewonnen: Kartoffeln, Roggen und Weizen. Das Wodkamuseum präsentiert die drei Hauptrohstoffe in Silos – Mahlen erlaubt.
Kartoffeln, so lernt man, sind nicht nur die Wodkaerfindung der Polen, sie sind auch der älteste und einst in Polen am weitesten verbreitete Basisstoff für Wodka überhaupt. Aus 100 kg Kartoffeln lassen sich bis zu 12 Liter Spiritus herstellen, aus derselben Menge Roggen hat man bereits 33 Liter produziert, aus Weizen 38 Liter – einer der Gründe, warum Kartoffelwodkas heute nicht mehr so gefragt sind. Kartoffeln sind teuer. Außerdem haben sie einen süßlich-schweren Eigengeschmack. In der Masse bevorzugt werden heute neutralere Western Style Wodkas, die sich ideal zum Mischen von Cocktails eignen.
Daneben gibt es noch andere Basisstoffe, die bei der Herstellung von Wodka zum Einsatz kommen wie Hafer (#Chopin Single Oat) oder Gerste (#Chopin Single Barley), wenn auch deutlich seltener.

Learning by walking

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Destillation - 19. Jahrhundert

Nachdem das Wichtigste geklärt ist, lernt man die historischen Stationen des polnischen Wodkas kennen. Die Tour führt sehr anschaulich und interaktiv durch die ersten zaghaften Gehversuche der polnischen Brennkunst, als die Slawen ihr Handwerk über (Handels)Umwege aus dem Orient lernten. Damals versanken vor allem die Alchemisten tief in der Brennwissenschaft und kreierten zahlreiche, wodkaähnliche Trünke, die zunächst vor allem medizinischen Zwecken dienten.

Wodkamuseum Warschau - Ponischer Wodka
Festmahl mit Wodka

Schnell sprach sich aber die berauschende Wirkung der neuen „Medizin“ herum und bald schon ließ jeder adelige Landbesitzer seinen eigenen Wodka herstellen. In der frühen Neuzeit wurde Wodka vor allem zu üppigen Festmahlen gereicht.

Erst die Erfindung adäquater Destillationsapparaturen – im Museum ausgestellt – im 19. Jahrhundert machte eine zentrale, massenhafte Produktion von Wodka möglich.

In den nächsten Jahrzehnten schossen Wodkafirmen wie Pilze aus dem Boden.
Übrigens, der Begriff „Spiritus“, lateinisch „Geist“, englisch „spirit“, geht auf den „geistähnlichen“ Dampf, den destillierten Alkohol, zurück, der sich beim Destillieren durch das Erhitzen der Alkoholwassermischung bildet und wie ein Geist schnell verschwindet.

Goldene Zeit des polnischen Wodkas

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Wodkas der 20er Jahre

Der neugegründete polnische Staat verfügte 1918 über ein weites Netz an Wodkafirmen. Die goldene Zeit des polnischen Wodkas begann, als das polnische Wässerchen weltweit millionenfach exportiert und genossen wurde.
Die Swinging 20ies befeuerten den Genuss von Wodka. Polnischer Wodka war damals in aller Munde – so wörtlich und so wahr.

Marken wie Siwucha, Biała Dama, Wyborowa, Żubrówka Bison Gras und Luksusowa waren die Topseller dieser Zeit. Daneben produzierten die polnischen Wodkabrenner damals auch eine große Reihe an koscheren Wodkas, die ebenfalls weltweit Absatz fanden.
Das Klima dieser Zeit fängt eine kleine, aber feine Ausstellung historischer Flaschen aus der Zwischenkriegszeit ein.

Probieren geht über Studieren

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Wodka Tasting

Der abschließende Einblick in polnische Trinkrituale und -sprüche im letzten Teil des Museums macht Lust auf Mehr. Und natürlich kommt ein Wodkamuesum nicht ohne (greifbaren) Wodka aus.

Ein professionell begleitetes Wodka Tasting schließt die Tour ab. Verköstet werden in der Regel drei klare Wodkas. Genauer handelt es sich um ein abgespecktes Blind Tasting: Man weiß nicht, welchen Wodka der drei auf dem Tisch platzierten man gerade probiert.

Es wird unter der Leitung eines kompetenten Sommeliers eifrig diskutiert und bewertet – ein echtes Highlight der Tour.

Klare Wodkalinie | Brand Museum

Wodkamuseum Warschau - Polnischer Wodka
Eingangsbereich

Der Kater kommt bekanntlich danach (wenn auch moderat bei polnischem Wodka) und mit ihm häufig auch die Traurigkeit.
In dem Fall ist Pernod Ricard der große Wehmutstropfen.

Hinter dem Museum steht nicht die Stadt Warschau, sondern die vom französischen Konzern Pernod Ricard ins Leben gerufene und gesponserte Polish Vodka Association mit Pernod Ricard an der Spitze.
Dies zeigt sich deutlich in der klaren Wodkalinie des Museums, die sich ausschließlich auf Marken von Pernod Ricard konzentriert, das heißt Wyborowa, Luksusowa, Pan Tadeusz sowie Ostoya.

Die „klare Linie“ lässt sich auch wörtlich nehmen: nur klare Wodkas werden präsentiert. Die polnische Spezialität der #Eichenfasswodkas wird gar nicht erwähnt, genauso wie die zahlreichen, qualitativ hochwertigen Geschmackswodkas mit langer Tradition.

Der Eingangsbereich und die Brandläden, die sich im Museum befinden, sprechen ebenfalls für sich bzw. für Pernod Ricard.

Fazit

Das Museum des Polnischen Wodkas ist ein Brand Museum, ein Show Room der Marke Pernod Ricard. Das sollte man vor dem Besuch wissen. Spätestens danach wird man es ahnen.
Nach Meinung von Wodka ,Please ist das Wodkamuseum eine verpasste Chance, die Vielfalt und Komplexität des polnischen Wodkas in seiner Gänze zu zeigen.
Nichtsdestotrotz kann man in diesem Museum auf anschauliche und stilvolle Weise viel über Wodka lernen, gerade wenn man noch wenig weiß, und natürlich guten polnischen Wodka probieren.

 

 

Weiterführende Informationen:

  • #Homepage des Museums
    Übrigens finden hier Wodkafreunde interessante Informationen rund um das polnische Nationalwässerchen.
  • Führungen auf Englisch und Deutsch
  • Ticketpreise: 40,- zł (umgerechnet 10,- €)

 

 

Tipp:

Das Museum des Polnischen Wodkas ist nicht Warschaus erstes Wodkamuseum. Empfehlenswert ist auch das Wodkamuseum, #Muzeum Wódki.


 

Impressionen des Wodka ,Please Besuches