Siwucha – der graue Hipster unter den Wodkas

Eine Vision (nach fünf bis sechs Gläschen Siwucha)

Ein junger Mann sitzt inmitten einer stark frequentierten Straße auf einem Klappstuhl und genießt ein Gläschen Siwucha. Sein fallendes, schwarzes Haar hat er zu einem lockeren Dutt zusammengebunden. Er streichelt seinen ausladenden Bart und rückt sein Holzfällerhemd zurecht.
Er trinkt langsam, die Flasche Siwucha steht neben seinen überschlagenen Beinen auf dem Bürgersteig. In seinem Bart hängen noch Reste des roten Wachskorken. Er hatte den Wachskorken von Siwucha nämlich mit seinen blanken Zähnen herausgezogen und er ist stolz darauf.

So oder so ähnlich läuft das nahezu täglich in Deutschland ab. Wir schreiben das Jahr 2034.

Ein kleiner Ausflug in die (imaginäre) Zukunft und zugegeben eher eine gegenwartsbasierte Wunschvorstellung, aber den größten Protagonisten dieser Szene sollten wir uns dennoch nochmal ansehen: Siwucha.

Die graue Eminenz

Siwucha ist die graue Eminenz des polnischen Wodkalandes. Das liegt zum einen an seinem Namen („siwucha“ leitet sich vom polnischen Wort „siwa“ für „grau“ ab), den er aufgrund seiner Farbe bekommen hat, zum anderen an seinem Status als Geheimtipp. Noch, denn Siwucha ist ein wirklich fantastischer Wodka.

Ausgangsstoff sind Getreide und Schlehdorn – eine Kombination, die ihn von allen anderen polnischen Wodkas unterscheidet. Eine weitere Besonderheit ist der spezielle Brennvorgang, der an die Herstellung von Weinbrand angelehnt ist.
Dieser und der verwendete Schlehdorn haben den größten Einfluss auf seine Beschaffenheit und seinen Geschmack.

Fruchtig-wurzelig im Geschmack

… und Siwucha schmeckt hervorragend. Aber wie bei vielem, was wirklich gut ist, gilt auch für diesen Wodka: harte Schale, weicher Kern. Um ihn überhaupt zu genießen, muss man schon mal einen Korkenzieher zur Hand haben oder zumindest gute Zähne, denn Siwucha wird von einem roten Wachskorken verschlossen.

Hat man die Flasche aufbekommen, überrascht Siwucha geruchlich mit einer süßlichen Aprikosennote, die von einem Nuss- und leichtem Nelkenaroma begleitet wird. Im Geschmack zeigt sich der dumpfe Weinbrandcharakter dieser Spirituose.

Siwucha ist anfangs mild, dann feurig und herb, vielleicht auch etwas wurzelig. Einen klassischen Getreidegeschmack wie bei klaren Wodkas sucht man vergebens.

 

 

Geschichte trinken

Dieser Artikel begann mit einer Zukunftsvision und endet mit einem Ausflug in die Vergangenheit, denn Siwucha zu trinken, heißt auch Geschichte zu trinken.

Streng genommen handelt es sich bei dieser Spirituose eher um eine allgemeine Wodkagattung. Diese wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Warschau entwickelt und erfreute sich bis zum Zweiten Weltkrieg größter Beliebtheit.
Leider verschwand Siwucha nach 1945 gänzlich vom polnischen Markt. Erst 1995 nahm die Firma Polmos S.A. Lubuska Wytwórnia Wódek Gatunkowych die Produktion ihres einstigen Bestsellers wieder auf.

Ein Glück für uns. Na zdrowie.

 

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