Rassismuss gegen Wodka

Bist du Wodkarassisst?

Rassismus ist furchtbar. Jemanden zu diskriminieren, nur weil er anders aussieht als man selbst, ist unterste Schublade. Jemandem abzuwerten, weil er anders spricht als man selbst, ist armselig. Jemandem nicht einmal kennenlernen zu wollen, nur weil er zu einer bestimmten Gruppe gehört, die der eigenen fremd ist, ist traurig. Da sind wir uns einig, zumindest die meisten von uns.

Wodka wird diskriminiert

Das gilt leider nicht für Wodka. Gar nicht. Im Gegenteil, er wird ganz offen verachtet, verspottet und diskriminiert. Wodka ist ein Rassismusopfer. Das klingt zunächst lustig, vielleicht ein wenig geschmacklos, aber es ist unsere gefühlte Wahrheit, die wir gerne mit euch teilen wollen, als Therapieersatz sozusagen.

Rassismus gegen Wodka - Polnischer Wodka

Vor Kurzem waren wir in einer deutschen Stadt unterwegs, einer netten, studentischen, hipsterbeeinflussten Stadt mit vielfältiger, cooler Bar- und Kneipenszene. In den meisten Läden mit coolen Namen standen hinter der Bar coole Mädels mit Brille und coole Jungs mit Bärten und Dutts.
Hinter ihnen stand eine coole Auswahl an Getränken: cooler Gin mit coolen Namen aus coolen und nicht so coolen Regionen der Welt, coole Tonics. Die Drinks auf den coolen Karten trugen coole Namen.

Das Beste, wir würden mit coolen, erfahrenen Barmännern sprechen, die sich als Mixologists oder mindestens Connaisseure bezeichnen - zu Recht, wie wir finden, bei der coolen Getränkeauswahl. Cool, dachten wir also, was passt wohl mehr in eine coole Bar als cooler Wodka von einem coolen, jungen Unternehmen.

 

 

- „Wodka?! Ey, kein Plan, Wodka interessiert uns nicht, da nehmen wir nur den billigsten."
- „Wodka?! Also das ist doch nichts." (O-Ton)
- „Wodka?! Das ist doch ein Synonym für Fusel!" (O-Ton)
- „Wodka?! Vergiss es. Wodka schmeckt nach Spiritus.“ (O-Ton)
- „Wodka?! Ist das nicht ein Abfallprodukt?!“ (O-Ton)
- „Wodka?! Das ist doch was für Säufer oder Alkoholiker, unsere Kunden suchen was anders." (O-Ton)
- „Wodka?! Ist ja schön und gut, aber das schmeckt doch eh nach nichts." (O-Ton)

Nicht so cool. Überhaupt nicht cool.

Rassismus gegen Wodka - Polnischer Wodka

Und wie wäre es mit einem exquisiten Honigwodka, der im Eichenfass reift und Gold holte beim weltberühmten San Francisco Wettbewerb?
- „Ey, sorry, aber ich kann mir an der nächsten Straßenecke Honig kaufen und den mit Gorbatschow mischen, dann habe ich auch einen Honigwodka." (O-Ton)

Mit cool hat das dann wohl nichts mehr zu tun. Aber noch ein Versuch…
- „Wodka?! Ok. Warum nicht?! Kommt der hier aus der Region?! Nein? Dann nicht." (O-Ton)

So viel Patriotismus bei kosmopolitischen Hipstern, interessant. Es gibt sicherlich Parteien in Deutschland, die sich darüber freuen werden.

Was der Barmann nicht kennt, will er nicht

Leider ist diese Haltung keine Ausnahme. Im Gegenteil. Sie ist deutschlandweit verbreitet. Das betrifft sogar überproportional viele sogenannte „coole" Bars.
Könnten sie hier zu Wort kommen, würden sie wohl sagen, sie hätten das nur so gesagt, weil ihre Kunden einfach nicht nach Wodka verlangen. Das ist aber nicht die Wahrheit. Das legen nicht nur Wodkaverkaufszahlen nahe. Kunden lieben es, Neues zu entdecken, sich überraschen zu lassen - dafür geht man doch in eine Bar.

Die Wahrheit ist, dass sie Wodkarassisten sind. Wodka ist für sie eine geschmack-, geruch- und namenlose Flüssigkeit aus dem Osten, die sie zwar verkaufen und trinken, zu der sie aber nicht stehen, schon gar nicht öffentlich.

Und nicht nur das, sie können nicht zugeben, wie kleinkariert sie in Wirklichkeit sind. Denn eigentlich fassen sie nichts an, was sie nicht kennen – Biedermeier in a nutshell.
Deswegen hat es Wodka auch so schwer, denn er ist noch anders als die anderen, noch fehlt ihm die Lobby wie sie Gin oder Whiskey haben.

Ode an die „coolen" Barleute

Rassismus gegen Wodka - Polnischer WodkaLiebe Barmänner, wir sind enttäuscht, enttäuscht von euch „coolen" Barleuten.  Als Spezialisten vom Fa(ss)ch wünscht ihr euch nichts sehnlicher, als dass man euch als Kenner eurer Profession wahrnimmt, als weltoffene Sommeliers. Dabei fasst ihr nichts an, was ihr nicht kennt. Wie die Lemminge folgt ihr offensichtlichen Trends. Euer Motto: Sicherheit first. Vielleicht ist das auch die deutsche Seite an euch – live with it, denn wir müssen es auch.

… und lasst euch das sagen: Die wahren Profis eures Faches sind immer auf der Suche nach Neuem, unabhängige Trendsetter mit großem Willen, ihre Kunden zu überraschen. Natürlich sagen sie auch nein zu vielen Getränken, berechtigterweise, aber nie, ohne ihnen zumindest eine (geschmacksprobenbasierte) Chance zu geben.